Sozialismus-Diskussion
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Sozialismus-Diskussion
Teil 1 | Muss der Sozialismus produktiver sein als der Kapitalismus?

Mit Beiträgen von Mark Staskiewicz, Hanno Wisiak und Werner Murgg

5/6-2014

trend
onlinezeitung

Vorwort

Tagtäglich erleben wir Erscheinungen des Kapitalismus, die zu kritisieren sind. Wenn wir                     diese Erscheinungen abstrahieren, gelangen wir zum Wesen dieser Ausbeutergesellschaft. Das Wesen des Kapitalismus führt zur Frage nach einer historischen Alternative, die den Kapitalismus ablöst. Die Kapitalistenklasse gibt sich hingegen siegessicher und posaunt in die Welt, dass es keine Alternative gäbe. Der sogenannte „Realsozialismus“ sei der Beweis dafür. Wenn der Sozialismus die erste vom Menschen bewusst geschaffene ökonomische Gesellschaftsformation ist, so muss Klarheit darüber bestehen, was dieses Ziel bedeutet. Wir müssen in der Lage sein nachzuweisen, dass es eine historische Alternative zum Kapitalismus gibt. Und wir müssen die Überlegenheit dieser Gesellschaftsformation nachweisen können.

Mit dieser Broschüre soll ein Diskussionsprozess zur Frage des Sozialismus forciert werden. Nicht nur „klassische“ ArbeiterInnen, sondern auch Intellektuelle und gerade junge Menschen sollen sich einbringen. Die Diskussion soll solidarisch, kritisch, sachlich und kontrovers geführt werden. Allen Menschen, die bereit sind diese Diskussionsgrundlagen einzuhalten, rufen wir zur aktiven Beteiligung auf.

Im Landesprogramm der KPÖ Steiermark heißt es, dass „eine Sozialismuskonzeption, die weit über das heute bekannte und bis 1989 in Europa praktizierte […] Modell hinausgeht“ erforderlich ist.1 Der 30.Bundesparteitag der KPÖ fordert ausdrücklich „eine komplexe Darstellung von Grundpositionen, eine so realistisch wie mögliche Ausgestaltung der Begriffe Sozialismus und Kommunismus“.2 Und das Zukunftsprogramm von KJÖ & KSV formuliert ein Argument, das für die Notwendigkeit der Sozialismus-Diskussion spricht: „Ohne die Gründe des Scheiterns des ersten Versuchs, eine bessere und gerechte Welt aufzubauen, zu kennen, können wir beim zweiten Anlauf schwerlich erfolgreich sein“.3

In dieser ersten Broschüre wollen wir uns deshalb mit der Frage beschäftigen, ob der Sozialismus produktiver als der Kapitalismus sein muss. Eine zentrale Aussage im Landesprogramm der KPÖ Steiermark ist hierzu: „Der Zusammenbruch der Sowjetunion und der anderer […] Länder erfolgte u.a. auch deshalb, weil es ihnen nicht gelang, den Rückstand in der Produktivität und im Lebensstandard gegenüber den entwickelten kapitalistischen Ländern aufzuholen“.4 „Die marxistische Theoriebildung verlor auf dem Gebiet der politischen Ökonomie ihre innovative Fähigkeit, weil ihr verlässliche Kriterien zur Lösung aktueller Probleme fehlten. Der Realsozialismus ging zugrunde, weil er hinsichtlich der Arbeitsproduktivität keine Überlegenheit erlangte, sondern gegenüber den kapitalistischen Industrieländern zurückfiel“

An anderer Stelle wird ein „offener, rücksichtsloser Austausch der Erfahrungen“ sowie eines „internationaler Dialog“ bezüglich der Diskussion des Sozialismus gefordert.6  Dass diese Diskussion nicht eine einfache sein wird, versteht sich angesichts der Thematik von selbst. Marx schreibt: „Es gibt keine Landstraße für die Wissenschaft, und nur diejenigen haben Aussicht, ihre lichten Höhen zu erreichen, die die Mühe nicht scheuen, ihre steilen Pfade zu erklimmen“.7 Wollen wir aber eine historische Alternative zum Kapitalismus erkämpfen, so können wir diese Mühe nicht scheuen, vielmehr ist es unsere Pflicht, dass wir uns mit dem Sozialismus wissenschaftlich auseinandersetzen: „Es wird namentlich die Pflicht […] sein, sich über alle theoretischen Fragen mehr und mehr aufzuklären, sich mehr und mehr von dem Einfluss überkommener, der alten Weltanschauung angehöriger Phrasen zu befreien und stets im Auge zu behalten, dass der Sozialismus […] wie eine Wissenschaft betrieben, d. h. studiert werden will. Es wird darauf ankommen, die so gewonnene, immer mehr geklärte Einsicht unter den Arbeitermassen mit gesteigertem Eifer zu verbreiten“.8

Ohne dies wird es keine Befreiung geben, wie es auch die Erfahrung der sogenannten realsozialistischen Länder zeigt. Neben den durch die wissenschaftliche Arbeit gewonnenen höheren Erkenntnissen, erarbeiten wir uns so eine Perspektive für die Entwicklung der Menschheit. So wie es keine Landstraße zur Wissenschaft gibt, gibt es auch keine Landstraße zur Befreiung. Organisationen wie die FPÖ versuchen, sich der Arbeiterklasse gegenüber als Alternative darzustellen. Am besten können wir solche Kräfte zurückdrängen, wenn wir aufzeigen, dass deren Vorschläge ein Festhalten am Kapitalismus bedeuten und indem wir in der Lage sind nachzuweisen, dass der Sozialismus dem Kapitalismus überlegen ist und somit im objektiven Interesse der Menschheit liegt.

Die in dieser Broschüre namentlich gekennzeichneten Beiträge müssen nicht zwingend die Meinung der KPÖ Steiermark widerspiegeln. Sollte es Probleme beim Nachvollziehen, dem Verständnis der Texte oder verwendeter Begriffe geben, so nehmen Sie bitte Kontakt mit den Autoren auf.

Für die Entwicklung der Sozialismus-Diskussion wurde eine eigene Homepage erstellt, auf die wir an dieser Stelle aufmerksam machen möchten. Auf dieser sind die Texte dieser Broschüre ebenso zu finden wie ein Forum zur Diskussion.

Die Autoren stellen die Broschüre auch gern in den Bezirken vor. Anfragen und Bestellungen weiterer Exemplare unter mail@sozialsmus-diskussion.net  bzw. 0316 / 872-2151.

www.sozialismus-diskussion.net
mail@sozialismus-diskussion.net

Mark Staskiewicz (Hg.)

Anmerkungen

1 Landesprogramm der KPÖ Steiermark; Seite 29
2 Nach dem Landesprogramm der KPÖ Steiermark; Seite 29
3 Zukunftsprogramm von KJÖ & KSV; S. 14
4 Landesprogramm der KPÖ Steiermark; S. 27
5 Landesprogramm der KPÖ-Steiermark; S. 28; Hervorhebung von mir
6 Landesprogramm der KPÖ-Steiermark; S. 27
7 Marx-Engels-Werke (MEW) Bd. 23; Vor und Nachwort zur französischen Ausgabe 1972; S.31
8 MEW Bd. 7; Vorbemerkung zu „Der deutsche Bauernkrieg“ (Ausgabe 1870 und 1875); S. 542

 

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