Sozialismus-Diskussion
Sozialismus-Diskussion

 

Ist „Jedem nach seinen Leistungen“ nicht kapitalistisch?

So nun schalte ich mich auch mal in die Diskussion ein. Mir geht seit langem durch den Kopf warum Karl Marx für die Verteilung nach der Regel „Jedem nach seiner Leistung“ war? Ich frage mich ob das nicht auch noch kapitalistisches Denken ist? Sagen die Herrschenden nicht immer es handle sich um eine Leistungsgesellschaft?

Franziska E. So 22. Jun 2014, 16:40

Franziska

 

 

 

Liebe Genossin Franziska,

du hast Recht, auf den ersten Blick kann es so scheinen.

Aber real ist es so, dass der Kapitalismus ja nur behauptet, dass ein Lohn nach Leistung bezahlt würde. Gewerkschaften haben dies x-fach überprüft und festgestellt das die Arbeiterklasse wesentlich mehr Wert durch die Arbeit schafft als sie bekommen, auch wenn man das Sozialsystem mit allen Nebenrückführungen dazu rechnet.

Jemand der einfach viel Geldkapital hat und dies in Aktien legt arbeitet z.B. gar nicht. Er schafft keinen Wert, und kann dennoch im Kapitalismus reich werden, weil er andere, die Wert schaffen ausbeutet. Glaubst Du, dass jemand überhaupt den Wert von z.B. 1 Mio. Euro im Monat schaffen kann? Ist die Arbeit dann wirklich so X-fach kompliziert, dass ein Bauarbeiter oder ein Baumeister nur ein Bruchteil bekommt?

Wenn im Sozialismus die Ausbeutung beseitigt wird, so ist der Lohn nach Leistung erstmal die logische Folge. Wenn, und dies ist in der Broschüre ja gut beschrieben, ein Produktivkraftzuwachs erforderlich ist, muss dieses Mittel zur Motivation auch eingesetzt werden.

Jungkommunist Sa 12. Jul 2014, 15:44

 

Gut, Jungkommunist das gibt mir echt zu denken, ob der Kapitalismus wirklich eine Leistungsgesellschaft sein kann. Denn ich kann mir auch nicht vorstellen, dass jemand so viel Wert schafft, dass er so einen Lohn „verdient“.

Wäre eine Vermögenssteuer im Kapitalismus nicht eine Verbesserung?

Wie aber die Löhne im Sozialismus berechnet werden sollten, darüber bin ich mir weiter unklar. Ja, eine Ausbeutung sollte es nicht mehr geben, aber wie kann da der Lohn berechnet werden?

Franziska E. So 27. Jul 2014, 09:20

 

 

Gute Fragen!

Franziska, ob eine Vermögensteuer eine Verbesserung ist? Klar kann man sagen, dass wenn das Geld dann zurück an die arbeitende Klasse geht, das eine Verbesserung bedeutet. Dem Wesen nach bleibt aber doch die kapitalistische Ausbeutung und das kapitalistische Profitstreben. Und dies führt ja auch zu Angriffen auf die arbeitende Klasse. Also auf längere Sicht hilft uns das nicht weiter.


Zur Lohn-Frage im Sozialismus:

Hat hier Marx nicht eine Antwort gegeben?

Marx schreibt im Kapital „Die einfache Durchschnittsarbeit selbst wechselt zwar in verschiednen Ländern und Kulturepochen ihren Charakter, ist aber in einer vorhandnen Gesellschaft gegeben. Kompliziertere Arbeit gilt nur als potenzierte oder vielmehr multiplizierte einfache Arbeit, so dass ein kleineres Quantum komplizierter Arbeit gleich einem größeren Quantum einfacher Arbeit.“ (Bd. 1 des Kapitals, Marx-Engels Werke Bd. 23, S.)

Wenn also nach Leistung bezahlt werden soll, so wäre komplizierte Arbeit eben mehr wert als einfache Durchschnittsarbeit. Das könnte man doch mathematisch berechnen und dann entsprechend bezahlen. Dann gäbe es keine Ausbeutung mehr. Na, ist das nicht besser als eine Vermögenssteuer?

C.P. Sa 2. Aug 2014, 13:52

 

Liebe GenssInnen,

ganz gut zum Thema Lohn nach Leistung passt eine Statistik aus der GPA-djp (Gewerkschaft-) Zeitung Kompetenz (Juli-August 2014; Seite 7).
Wenn die KapitalistInnen behaupten im Kapitalismus gäbe es einen Lohn nach Leistung, dann mögen sie dies uns doch mal erklären:

Die reichsten 1% der Österreicher besitzen 37% des Vermögens.

Die reichsten 2-5% besitzen weitere 20,8%.

Die reichsten 6-20% weitere 23,5%.

Und die eher ärmsten 21-50% besitzen 16,5% des Vermögens.

Und ganz krass trifft es die ärmsten 50% die nur 2,2% des österreichischen Vermögens besitzen. [/size]

Eine um so viel höhere Leistung ist gar nicht möglich, die die Reichsten so reich machen.
Ein Lohn nach Leistung kann es nur im Sozialismus geben und er wird dazu führen, dass ein Großteil der Bevölkerung einen höheren Wohlstand erfährt.

Jungkommunist Fr 15. Aug 2014, 08:00

 

 

Hi,
ok C.P. die Vermögenssteuer wird die Ungerechtigkeit der Welt nicht lösen, aber ist nicht manchmal auch ein Tropfen Wasser auf einen heißen Stein eine Abkühlung?

Jungkommunist, die Zahlen der Gewerkschaft sind interessant, dass es eine sehr fragwürdige Verteilung des Wohlstandes gibt, war mir klar, aber dass sie hier so weit geht, ist mir neu gewesen. Sowas sollte man mehr publizieren.

Aber nun gut, wie macht ihr es nun im Sozialismus mit der Bezahlung? Wenn ich C.P. richtig verstanden habe, wird nicht jede Stunde Arbeit gleich bezahlt. Ein Arzt wird somit weiter mehr verdienen als eine Krankenschwester. Aber kann man so Schluss machen mit dem Kapitalismus? Ok, hier wird auch nicht nach Leistung bezahlt, aber auch hier gibt es ja große Einkommensunterschiede. Warum soll also unterschiedlich bezahlt werden, was wird damit bezweckt? Können die, die sich dann mehr verdienen nicht wieder Reichtümer anhäufen und auf Kosten anderer leben?

Franziska E. Di 16. Sep 2014, 10:23

Franziska, Du stellst gute Fragen!

Ich mach es mir einfach mit dem Wasser-Beispiel. Warst Du schon mal in der Sauna, was passiert bei einem Aufguss, wenn man Wasser auf den heißen Stein spritzt?

Die Frage wie konkret die Bezahlung im Sozialismus zu gestalten ist muss in der Tat näher untersucht werden. Hier müssen Kriterien gefunden werden. Für mich ist hier zunächst nur eine Bezahlung nach dem marx‘schen Wertgesetz denkbar. Welches Kriterium soll sonst eine Rolle spielen. Komplizierte Arbeit ist somit multiplizierte einfache Arbeit.

Es wird somit Lohnunterschiede geben. Allerdings, wenn nach Leistung bezahlt wird, wird niemand Millionär werden. Die Menschen werden also jeweils einen Beitrag für die Gesellschaft leisten müssen.

C.P. 2. Nov 2014, 17:08

 

 

 

 

 

 

 

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© Mark Staskiewicz, MSc. / Graz