Sozialismus-Diskussion
Sozialismus-Diskussion

Muss der Sozialismus produktiver als der Kapitalismus sein?

von Mark Staskiewicz


Bevor wir diese Frage beantworten können, sollten wir uns zunächst ansehen, welche Rolle die Produktivität in der Entwicklung der Menschheit hatte und haben wird. Ebenso müssen wir uns mit der Frage der ökonomischen Gesellschaftsformationen beschäftigen, da sowohl der Sozialismus als auch der Kapitalismus ökonomische Gesellschaftsformationen sind. Darüber hinaus sei angemerkt, dass wir auch immer wieder kurze Begriffserklärungen anbieten werden, da davon auszugehen ist, dass die LeserInnen dieser Broschüre unterschiedliche Erkenntnisstände haben.

 

1.     Was ist eine ökonomische Gesellschaftsformation?

„Der Begriff der ökonomischen Gesellschaftsformation steht im Mittelpunkt des marxistisch-leninistischen Gesellschaftsbegriffs. Eine ökonomische Gesellschaftsformation bildet einen sozialen Organismus, der in seiner Entstehung, seiner Funktionsweise und seinem Übergang in eine höhere Form, in seiner Verwandlung in einen anderen sozialen Organismus bestimmten Gesetzmäßigkeiten folgt“.[1]

Jede ökonomische Gesellschaftsformation hat seine eigene Qualität im Bereich der Produktionsverhältnisse.

Der Philosoph Gottfried Stiehler schreibt: „Der entscheidende Strukturbegriff, mittels dessen Marx ein materialistisches Verständnis der menschlichen Geschichte erzielt, war der Begriff der ökonomischen Gesellschaftsformation. Dieser Begriff ist der konkret-historische Ausdruck der Fassung der Gesellschaft als Abfolge materiell bestimmter Systeme“.[2]

Die Frage, ob der Sozialismus produktiver als der Kapitalismus sein muss, ist also abhängig davon, was eine ökonomische Gesellschaftsformation überhaupt ist und welche Bedeutung die Produktivität innerhalb eines solchen komplexen Systems spielt.

Bei Lenin ist bereits 1894 folgendes zur marx‘schen Erkenntnis über die Gesellschaftsformationen zu lesen: „Die Analyse der materiellen gesellschaftlichen Verhältnisse […] bot sofort die Möglichkeit, die Wiederholung und Regelmäßigkeit festzustellen und die Zustände in den verschiedenen Ländern verallgemeinernd zu dem Grundbegriff der Gesellschaftsformation zusammenzufassen“.[3] Während man zuvor die Gesellschaften z.B. mit Erscheinungen wie Stein(zeit) oder Bronze(-zeit) verglich, ist es mit der Begriffskombination ökonomische Gesellschaftsformation erstmals möglich, eine Gesellschaft in ihrer Entwicklung einzuordnen sowie verschiedene Gesellschaften miteinander zu vergleichen und ihren Charakter zu bestimmen.

Marx: „Die gesellschaftlichen Verhältnisse, worin die Individuen produzieren, die gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse ändern sich also, verwandeln sich mit der Veränderung und Entwickelung der materiellen Produktionsmittel, der Produktionskräfte. Die Produktionsverhältnisse in ihrer Gesamtheit bilden das, was man die gesellschaftlichen Verhältnisse, die Gesellschaft nennt, und zwar eine Gesellschaft auf bestimmter, geschichtlicher Entwicklungsstufe, eine Gesellschaft mit eigentümlichem, unterscheidendem Charakter.[4]

„Welches immer die gesellschaftlichen Formen der Produktion, Arbeiter und Produktionsmittel bleiben stets ihre Faktoren. Aber die einen und die andern sind dies nur der Möglichkeit nach im Zustand ihrer Trennung voneinander. Damit überhaupt produziert werde, müssen sie sich verbinden. Die besondre Art und Weise, worin diese Verbindung bewerkstelligt wird, unterscheidet die verschiednen ökonomischen Epochen der Gesellschaftsstruktur“.[5]

Betrachten wir, wie Marx die ökonomischen Gesellschaftsformation und deren Übergang beschreibt: „In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens, gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt, und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewusstseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozess überhaupt. Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, dass ihr Bewusstsein bestimmt. Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb derer sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein. Mit der Veränderung der ökonomischen Grundlage wälzt sich der ganze ungeheure Überbau langsamer oder rascher um“.[6]

Zwar ist eine Gesellschaft ein in sich relativ geschlossenes System. Es können in einem System aber solche Widersprüche vorhanden sein, dass sich die Frage der sozialen Revolution zunehmend aufdrängt.

 

2. Untergang und Abfolge von ökonomischen Gesellschaftsformationen: Von der Urgesellschaft zum Kapitalismus

Wenn wir uns im Folgenden die Übergänge von einer ökonomischen Gesellschaftsformation in eine höhere betrachten, dann werden wir die folgende Aussage von Marx immer wieder bestätigt sehen:

„Eine Gesellschaft geht nie unter, bevor alle Produktivkräfte entwickelt sind, für die sie weit genug ist, und neue höhere Produktionsverhältnisse treten nie an die Stelle bevor die materiellen Existenzbedingungen derselben im Schosse der alten Gesellschaft selbst ausgebrütet worden sind“.[7]

Der Marxismus kennt folgende vorsozialistische ökonomische Gesellschaftsformationen: Urgesellschaft à Sklavenhaltergesellschaft [8] à Feudalismus à Kapitalismus.[9] Wir werden sehen, dass bei jedem Übergang von einer Gesellschaftsformation in eine höhere der Widerspruch zwischen der Hauptproduktivkraft Mensch und den herrschenden Produktionsverhältnissen eine entscheidende Triebkraft war und gerade letztere bei der Entwicklung der Produktivkräfte immer wieder eine besondere Rolle gespielt hat. Zudem werden wir erkennen, dass der Wettbewerb bei der Entwicklung der Produktivkräfte von großer Bedeutung ist.


2.1 Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse

Wir können festhalten, dass ohne ein zumindest grobes Verständnis über Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse die Ausgangsfrage gar nicht beantwortet werden kann bzw. die Antwort für die Leserschaft nicht nachvollziehbar ist. erscheint.

Die politische Ökonomie ist eine materialistische Gesellschaftswissenschaft. Der Gegenstand der Betrachtung sind die „Beziehungen der Menschen in der Produktion, die Produktionsverhältnisse, und die in ihnen objektiv wirkenden Gesetze die ökonomischen Gesetze, sowie die – ebenfalls von objektiven Gesetzen bestimmten – Wechselwirkungen der Produktionsverhältnisse mit den Produktivkräften und mit dem Überbau der Gesellschaft“.[10] Doch was sind Produktivkräfte bzw. Produktionsverhältnisse?

 

2.1.1        Produktivkräfte

Die Produktivkräfte (PK) einer Gesellschaft sind die Gesamtheit der Menschen mit ihren Produktionserfahrungen und ihren Arbeitsfertigkeiten sowie die Produktionsmittel [11], die Kooperation der Arbeit und die Wissenschaft. Der Mensch ist die Hauptproduktivkraft, da er im Prozess der Produktion Produkte erstellt, die Produktionsinstrumente erfindet bzw. verbessert, Arbeitserfahrungen und -fertigkeiten erweitert und weitere wissenschaftliche Kenntnisse erlangt. Die Produktivkräfte bestehen also aus dem Faktor der lebendigen Arbeit sowie den gegenständlichen Faktoren, Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstand.

Unter Produktivkräfte sind alle Faktoren zu verstehen, die die Arbeitsproduktivität beeinflussen. Die Produktivkraftentwicklung offenbart somit den Entwicklungsstand der Gesellschaft. Die Bestandteile der Produktivkräfte sind Erscheinungen der Qualität der Produktion einer Gesellschaft. „Dieselbe Wichtigkeit, welche der Bau von Knochenreliquien für die Erkenntnis der Organisation untergegangner Tiergeschlechter, haben Reliquien von Arbeitsmitteln für die Beurteilung untergegangner ökonomischer Gesellschaftsformationen. Nicht was gemacht wird, sondern wie, mit welchen Arbeitsmitteln gemacht wird, unterscheidet die ökonomischen Epoche..[5] Die Arbeitsmittel sind nicht nur Gradmesser der Entwicklung der menschlichen Arbeitskraft, sondern auch Anzeiger der gesellschaftlichen Verhältnisse, worin gearbeitet wird. Unter den Arbeitsmitteln selbst bieten die mechanischen Arbeitsmittel, deren Gesamtheit man das Knochen und Muskelsystem der Produktion nennen kann, viel entscheidendere Charaktermerkmale einer gesellschaftlichen Produktionsepoche als solche Arbeitsmittel, die nur zu Behältern des Arbeitsgegenstandes dienen und deren Gesamtheit ganz allgemein als das Gefäßsystem der Produktion bezeichnet werden kann, wie z.B. Röhren, Fässer, Körbe, Krüge usw. Erst in der chemischen Fabrikation spielen sie eine bedeutungsvolle Rolle..[5a] Im weitren Sinn zählt der Arbeitsprozess unter seine Mittel außer den Dingen, welche die Wirkung der Arbeit auf ihren Gegenstand vermitteln und daher in einer oder der andren Weise als Leiter der Tätigkeit dienen, alle gegenständlichen Bedingungen, die überhaupt erheischt sind, damit der Prozess stattfinde. Sie gehn nicht direkt in ihn ein, aber er kann ohne sie gar nicht oder nur unvollkommen vorgehn. Das allgemeine Arbeitsmittel dieser Art ist wieder die Erde selbst, denn sie gibt dem Arbeiter den locus standi1* und seinem Prozess den Wirkungsraum […]. Durch die Arbeit schon vermittelte Arbeitsmittel dieser Art sind z.B. Arbeitsgebäude, Kanäle, Straßen usw.“.[12]

Doch wovon hängt die Produktivkraft ab?

„Abgesehn von den Unterschieden in den natürlichen Energien und den erworbnen Arbeitsgeschicken verschiedner Völker muss die Produktivkraft der Arbeit in der Hauptsache abhängen:

1. von den Naturbedingungen der Arbeit, wie Fruchtbarkeit des Bodens, Ergiebigkeit der Minen usw.

2. von der fortschreitenden Vervollkommnung der gesellschaftlichen Kräfte der Arbeit, wie sie sich herleiten aus Produktion auf großer Stufenleiter,Konzentration des Kapitals und Kombination der Arbeit, Teilungder Arbeit, Maschinerie, verbesserten Methoden, Anwendung chemischerund andrer natürlicher Kräfte, Zusammendrängung von Zeit und Raumdurch Kommunikations- und Transportmittel und aus jeder andern Einrichtung,wodurch die Wissenschaft Naturkräfte in den Dienst der Arbeitzwingt und wodurch der gesellschaftliche oder kooperierte Charakter derArbeit zur Entwicklung gelangt. Je größer die Produktivkraft der Arbeit, desto kleiner die auf eine gegebne Menge Produkt verwendete Arbeit“.[13]

 

2.1.2        Produktionsverhältnisse

Produktionsverhältnisse (PV) sind objektive Verhältnisse. Sie umfassen die Beziehungen, die die Menschen notwendigerweise miteinander im Produktionsprozess sowie beim Austausch bzw. der Verteilung und der Konsumtion der materiellen Güter eingehen. Denn um gemeinsam produzieren zu können, müssen die Menschen in einer bestimmte Art und Weise ihre Tätigkeiten gegenseitig austauschen. Die Produktionsverhältnisse umfassen also das Verhältnis der Menschen zu den Produktionsmitteln, die Verteilungs- und Konsumtionsbedingungen, die Formen des Austausches zwischen den Produzenten, die aus der Arbeitsteilung entstandenen Beziehungen zwischen den Produzenten sowie die Verhältnisse unter denen, die gesellschaftliche Produktion vollzogen wird.

Zu den Produktionsverhältnissen gehören somit im Wesentlichen:

  • die Verhältnisse die eingegangen werden, um die von der Gesellschaft geschaffenen Produkte zu verteilen und zu konsumieren (Verteilungs-und Konsumtionsverhältnisse),
  • das Verhältnis der Hauptproduktivkraft Mensch zu den Produktionsmitteln,
  • die Formen des Austausches zwischen den Produzenten im Produktionsprozess,
  • die sich aus der gesellschaftlichen Arbeitsteilung und sowie der Verteilung der Produktionsmittel und der gesellschaftlichen Gesamtarbeit auf die verschiedenen Bereich der Wirtschaft ergebenen Beziehungen,
  • die Lenkungs- und Leitungsbeziehungen, die sich aus dem Verhältnis in der gesellschaftlichen Produktion ergibt, unter denen die Einheit im Produktionsprozess hergestellt wird.

Eine bestimmte Produktion bestimmt also bestimmte Konsumtion, Distribution [14], Austausch, die bestimmten Verhältnisse dieser verschiedenen Momente zueinander. […] Es findet Wechselwirkung zwischen den verschiednen Momenten statt“ [15], heißt es bei Karl Marx.

Zuvor schreibt er, dass: „die Konsumtion das Bedürfnis neuer Produktion schafft, also den idealen innerlich treibenden Grund der Produktion“ bildet, „der ihre Voraussetzung ist. Die Konsumtion schafft den Trieb der Produktion […]. Ohne Bedürfnis keine Produktion. Aber die Konsumtion reproduziert das Bedürfnis.“.[16]

Innerhalb aller Produktionsverhältnisse gibt es Wettbewerbsverhältnisse. Sie sind unterschiedlich und können nicht gleich sein. Das heißt z.B., dass es im Sozialismus nicht die gleichen Wettbewerbsverhältnisse wie im Kapitalismus geben kann und geben darf. Vielmehr müssen die des Sozialismus höher sein als die des Kapitalismus. Dies drückt der für den Sozialismus geltende Verteilungsgrundsatz „Jedem nach seiner Leistung“ auch schon aus.

In „Lohnarbeit und Kapital“ heißt es: „In der Produktion beziehen sich die Menschen nicht allein auf die Natur. Sie produzieren nur, indem sie auf eine bestimmte Weise zusammenwirken und ihre Tätigkeiten gegeneinander austauschen. Um zu produzieren, treten sie in bestimmte Beziehungen und Verhältnisse zueinander, und nur innerhalb dieser gesellschaftlichen Beziehungen und Verhältnisse findet ihre Beziehung zur Natur, findet die Produktion statt. Je nach dem Charakter der Produktionsmittel werden natürlich diese gesellschaftlichen Verhältnisse, worin die Produzenten zueinander treten, die Bedingungen, unter welchen sie ihre Tätigkeiten austauschen und an dem Gesamtakt der Produktion teilnehmen, verschieden sein“.[17]

Die Produktionsverhältnisse können also sowohl eine progressive als auch eine reaktionäre Rolle einnehmen. Jede höhere Gesellschaftsformation leistet(e) ihren Beitrag, um die Voraussetzungen für die Befreiung der Menschheit von Ausbeutung und Unterdrückung zu schaffen. Marx gibt zu bedenken, dass ohne diese Produktionsverhältnisse weder die Produktionsmittel, die materiellen Mittel zur Befreiung des Proletariats und Stiftung einer neuen Gesellschaft geschaffen worden wären, noch das Proletariat selbst die Vereinigung und Entwicklung genommen hätte, in der es wirklich fähig ist, die alte Gesellschaft und sich selbst zu revolutionieren“.[18]


2.2 Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen

Die Einheit und Wechselwirkung zwischen den Produktivkräften und den Produktionsverhältnissen bildet die Produktionsweise einer Gesellschaft. Die Produktivkräfte sind das bestimmende Moment. Allerdings bedeutet dies nicht, dass in der Dialektik[19] zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen, die Produktionsverhältnisse eine rein passive Rolle einnehmen würden. Entsprechen die Produktionsverhältnisse dem Charakter und Entwicklungsniveau der gesellschaftlichen Produktivkräfte [20], so wird die weitere Entwicklung der Produktivkräfte von den Produktionsverhältnissen vorangetrieben.

Wenn aber die Produktionsverhältnisse die Entwicklung der Produktivkräfte verhindern (d.h. die Entwicklung relativ ausgeschöpft ist), so stellen die Produktionsverhältnisse keine Triebkraft [21] mehr dar, sondern werden zu einer Fessel. Marx schreibt: Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um.[22] Die Produktivkräfte werden also in ihrer Entwicklung gehemmt und es kommt maximal noch zu einer relativen Entwicklung. Ein qualitativer Sprung ist unter diesen Bedingungen unmöglich.

Der Widerspruch zwischen Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse ist in allen Klassengesellschaften der Hauptwiderspruch. Er reift zu einem offen Konflikt zwischen den sich entwickelnden Produktivkräften und den überlebten Produktionsverhältnissen heran, da die Produktivkräfte an sich zur Weiterentwicklung drängen. Dies führt somit zur Verschärfung des Klassenkampfes. Dieser Widerspruch lässt sich nicht mehr im Rahmen der bestehenden bzw. alten Produktionsverhältnisse lösen. Die Frage der sozialen Revolution (durch die die alten Produktionsverhältnisse durch eine höhere Form der Produktionsverhältnisse abgelöst werden) steht auf der Tagesordnung. Eine höhere Form der Produktionsverhältnisse bedeutet dementsprechend auch eine höhere Form des Eigentums an Produktionsmitteln. Diese neuen Verhältnisse schaffen den Produktivkräften wieder den Raum zur Entwicklung, sowohl im Bereich der Quantität als auch der Qualität. Die Produktionsverhältnisse entwickeln sich also nur durch die untrennbare Abhängigkeit von den Produktivkräften. Die Produktionsverhältnisse wirken auf die Produktivkräfte zurück.

Die Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse verhalten sich also (dialektisch) widersprüchlich zueinander. Und dieser Widerspruch ist auch die Triebkraft für die gesellschaftliche Entwicklung.

 

2.3  These zur Frage der Produktivität im Sozialismus

Schon wenn wir wissen, was Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse sind, dass es zwischen ihnen zu Widersprüchen kommt und welche Bedeutung diese Widersprüche für den gesellschaftlichen Fortschritt haben, so lässt sich eine klare These aufstellen:

Der Sozialismus muss produktiver als der Kapitalismus sein!

Wie die Geschichte des sog. „Realsozialismus“ zeigt, wird eine Gesellschaft, die keine höhere Produktivität erzielt, über kurz oder lang im Systemwettschreit unterliegen. Deshalb ist die Beschäftigung mit der Frage der Produktivität des Sozialismus unerlässlich!


2.4 Urgesellschaft

Wenn wir im Folgenden kurz auf die ökonomischen Gesellschaftsformationen (wie hier der Urgesellschaft) eingehen, so werden wir uns auf einzelne Erscheinungen und wesentliche bzw. charakteristische Beispiele beschränken, die den Grund des Untergangs der jeweiligen Gesellschaftsformation darstellen. Eine ausführlichere, aber dennoch abstrakte Darstellung des Übergangs der ökonomischen Gesellschaftsformationen steht der interessierten Leserschaft im Anhang zur Verfügung.

Auch wenn es in der Urgesellschaft noch keine Klassen gab, so gab es dennoch schon Wettbewerb. Der Wettbewerb war seit jeher, und bleibt auch zukünftig, von Bedeutung für die Entwicklung der Produktivkraft. Denn auch in der Zeit der Urgesellschaft war er überlebenswichtig für die Gattung Mensch. Die Menschheit hatte es in der Urgesellschaft zunächst lediglich geschafft, eine Produktivkraft zu entwickeln, die gerade für das Überleben ausgereicht hat.

Der Wettbewerb begann schon damit, dass der erste Speerwerfer weiter warf als der zweite. Der zweite Werfer versuchte nun seine Wurfqualitäten zu verbessern und schaute sich an, was der erste machte. Denn mit einer weiteren Wurfkraft konnte die Jagd effektiver werden. Man fing an sich gegenseitig zu schulen, um weiter und genauer zu werfen, denn dies war von kollektivem Interesse. Man wollte sich nicht auf seiner Leistung ausruhen, sondern sie verbessern. Denn dadurch konnten bei der gemeinsamen Jagd ggf. mehrere Speere ihr Ziel erreichen und das Wild so verletzen, dass es nicht mehr fliehen konnte.

In der Urgesellschaft kam es infolge der großen gesellschaftlichen Arbeitsteilung von Ackerbau und Viehzucht dazu, dass erstmals ein Mehrprodukt entstand. Dass also mehr produziert wurde, als zum unmittelbaren Überleben erforderlich war. Das Handwerk löste sich zunehmend von der Nahrungsproduktion ab und konnte dadurch eine eigene Stellung einnehmen. In Folge dieser zunehmenden Spezialisierung der Hauptproduktivkraft Mensch kam es dazu, dass das Individuum zunehmend unterschiedliche Leistungen erbrachte. Die zunehmende Bedeutung des Faktors des individuellen Leistungsvermögens führte zu einem sich verstärkenden Widerspruch zwischen der Hauptproduktivkraft Mensch und den Produktionsverhältnissen (hier bezogen auf die Verteilungsverhältnisse). Würde es zu keiner Neuordnung der Verteilungsverhältnisse kommen (in Richtung Verteilung der erzeugten Güter nach Leistung), so würde dies die Produktivkraftentwicklung aufhalten, da dann eine geringere Bereitschaft seitens der Produzenten bestehen würde, eine höhere Produktivkraftleistung zu erbringen. Denn nach den alten Verteilungsverhältnisse hätte man davon nichts.


2.5 Übergangsgesellschaft

Zwischen zwei ökonomischen Gesellschaftsformationen gibt es immer eine Periode, in der es eine Übergangsgesellschaft gibt. Dies ist die Zeit des Zerfalls der alten Gesellschaft bis hin zur Durchsetzung der höheren Produktionsverhältnisse der neuen Gesellschaft. Die Existenz der ersten Klasse ist in der Verfallsperiode der Urgesellschaft anzusetzen. Es versteht sich von selbst, dass nicht von einen Tag auf den anderen eine Klasse entsteht, sondern es sich hier auch um eine historische, polit-ökonomische Entwicklung handelt. Auch die Wettbewerbsverhältnisse ändern sich bereits in der Übergangsgesellschaft. Der Widerspruch zwischen der Hauptproduktivkraft Mensch und den Produktionsverhältnissen ist innerhalb der Übergangsgesellschaft in einem Lösungsprozess, der aber erst mit der Erreichung der höheren Produktionsverhältnisse (und damit der höheren Gesellschaftsformation) zwischenzeitlich [23] seinen Abschluss findet.


2.6Sklavenhaltergesellschaft

Der größte Teil der Hauptproduktivkraft Mensch (primär waren dies Sklaven und Kolonen [24]) hatte zu wenig Vorteile von einer hohen eigenen Produktivität. Denn ein Sklave der mehr leiten konnte als ein anderer Sklave, bekam in der Regel auch nicht mehr als dieser. Beide bekamen höchstens genug zum Überleben. Der Wettbewerb war also hier enorm eingeschränkt.

Der Konkurrenzkampf unter den Sklavenhaltern, wie der zwischen zwei im Baugewerbe Tätigen, wurde primär über die Wegnahme eines Teils des zur Reproduktion der Arbeitskraft der Sklaven notwendigen Produkts geführt. D.h. die Sklaven bekamen weniger als sie brauchten, um am nächsten Tag bzw. in einem Monat noch genauso produktiv zu sein wie bisher. Die Senkung der Produktivität wurde durch den vergleichsweise günstigen Ankauf von neuen Sklaven kompensiert. Obwohl Rom weitaus produktiver war als z.B. die Wikinger, setzten die Römer in der Schifffahrt dennoch überwiegend auf die Muskelkraft. Ein wirkliches Navigieren mit einem Segel war ihnen nicht möglich. Die Wikinger waren im Bereich der Segelnutzung weiter entwickelt, obwohl sie in vielen anderen Bereichen der Produktivkraftentwicklung deutlich unterlegen waren. Dies zeigt, wie die Produktivkraftentwicklung gehemmt wurde, da die Sklavenhalter gar nicht unbedingt an der Entwicklung von arbeitskrafteinsparenden Technologien interessiert waren.

Zunächst gab es bei den Kolonen einen gewissen Wettbewerb. Der Kolonenbauer, der mehr Lebensmittel produzierte und auf dem Markt Käufer dafür fand hatte persönlich etwas davon. Allerdings verschuldeten sich die Kolonen immer mehr bei den Grundherren, sie konnten daher ihre Pacht nicht zahlen. Das lag sowohl an hohen Pachtbeträgen als auch beispielsweise an den zunehmenden Kriegssituationen. Die Pachtbauern wurden zum Krieg eingezogen, konnten die Felder nicht bestellen und kamen in einem Zustand zurück, der zu einer geringere Produktivität führte. Trotzdem musste die Pacht aber weiter bezahlt werden. Die verschuldeten Kolonen hatten kein Interesse mehr daran, eine besonders hohe Produktivität zu erzielen, da all dies, was sie mehr erzeugten, als Teilschuldenzahlung an die Gutsherren abgeführt werden musste. Der Widerspruch zwischen der Hauptproduktivkraft Mensch und den herrschenden Produktionsverhältnissen musste also gelöst werden.


2.7 Feudalismus

Eine gewisse Zeit lang stimmten die Produktionsverhältnisse des Feudalismus mit dem Entwicklungsniveau der Produktivkräfte überein, so wie es bei jeder höheren ökonomischen Gesellschaftsformation zunächst der Fall ist. U.a. auch weil die unmittelbaren Produzenten (Bauern und Zunfthandwerker) sich einen Teil des von ihnen geschaffenen Mehrwertes selbst aneignen konnten. Dies auch, weil der Produzent im Privatbesitz kleiner Produktionsmittel war. Die Produktivkraft war schon größer, als dies für einen regionalen Markt gebraucht würde und so versuchte man größere Märkte zu erschließen. Allerdings verlor die zünftige Produktionsweise ihre Existenzbedingung, als nicht mehr für einen regionalen Markt produziert wurde. Die Zünfte schränkten die Produktivkraftentwicklung ein, wie es deutlich in dem Zitat aus der Zunfturkunde der Stadt Thorn aus dem Jahre 1523 beschreiben wird: „Niemand soll etwas Neues entdecken oder erfinden oder gebrauchen“.[25] Solche Urkunden hatten natürlich weitreichende Folgen, da Verstöße gehen sie zum Ausschluss aus der Zunft und somit zum Ruin geführt haben. Dieser Widerspruch führte schließlich zum Ausbruch aus diesen starren und reaktionär gewordenen Bedingungen. Der Konkurrenzkampf unter den Handwerkern führte zur Entstehung der Manufakturen. Eine Folge dieser produktiven Manufakturen, war es, das ein Großteil der Handwerkern in den Ruin ging und zu produktionsmitteleigentumslosen Lohnarbeitern wurden. Die Minderheit wurde zu einer sich entwickelnden Klasse von Industrie-Kapitalisten. Auch im Bereich der bäuerlichen Hauptproduktivkraft Mensch kam es zu enormen Veränderungen. Eine Minderheit der Bauern konnte immense Reichtümer anhäufen und vergrößerte somit, durch den Aufkauf von Landflächen der Konkurrenten, ihren Betrieb. Sie konnten sich von den Feudalherren schließlich komplett freikaufen und wurden selbst zu Ausbeutern. Damit war die Fortexistenz des Feudaleigentums nicht mehr zu halten. Die Großbauern und die Masse an Landarbeitern sowie Lohnarbeitern in den Manufakturen passten mit den herrschenden Produktionsverhältnissen nicht mehr zusammen.


2.8 Kapitalismus

Zwar schafft es der Kapitalismus noch hier und da die Produktivkräfte zu entwickeln. Es wäre objektiv aber schon viel mehr möglich. Dies wird aber durch die herrschenden Produktionsverhältnisse verhindert. Hat ein Monopol z.B. das Interesse, einen Staubsauger zu produzieren, der lange hält? Wohl kaum, auch wenn dies technisch seit langem möglich ist. Dieses Beispiel ist nur eines von sehr vielen. Vielmehr werden sogar bewusst Sollbruchstellen eingebaut, um erneut Profite aus der Mehrwertaneignung zu ziehen. Und dazu muss man u.a. eben möglichst viele Staubsauger produzieren. Es kommt zu enormen Verzögerungen bzw. Verhinderung des technischen Fortschritts, z.B. mittels des Aufkaufs von Patenten, die dann in den Schubladen verschwinden, da man erst einmal seine eigenen (schlechteren) Produkte verkaufen will. Der Konkurrenzkampf der Monopole führt auch dazu, dass neues Wissen geheim gehalten wird und somit nicht für die gesamte gesellschaftliche Produktion nutzbar gemacht werden kann.

Die wissenschaftlich-technische Entwicklung ist also durch die kapitalistischen Produktionsverhältnisse gehemmt. Und wenn es technische Fortschritte gibt, führt dies zur Ausgliederung von Teilen der Hauptproduktivkraft Mensch aus der Produktion in die Massenarbeitslosigkeit. Unter sozialistischen Produktionsverhältnissen könnten solche potenziellen Kräfte für die Produktivkraftentwicklung aktiviert werden. Die Massenarbeitslosigkeit im Kapitalismus führt auch dazu, dass investierte Bildung nicht genützt werden kann. Abgesehen davon sind die Bildungsmöglichkeiten im Kapitalismus begrenzt, da das Ziel der Produktion die Erziehung des Maximalprofites ist. Es geht nicht darum, die Anlagen der Menschen optimal zu entwickeln und deren Bedürfnisse immer erweiterter zu befriedigen.

Die Kaufkraft der Menschen liegt unter den für die Bedürfnisbefriedigung benötigten Mittel. Dadurch kommt es auch zu einer Nichtnutzung von Waren, die keinen Abnehmer finden, obwohl es den Bedarf gäbe.

Auch an anderen Stellen wird die Hauptproduktivkraft Mensch vernichtet. So z.B. in imperialistischen Kriegen[26]. Es gibt etliche Stellen, an denen Produktivkräfte verschwendet werden, wobei hier stellvertretend die Werbung genannt werden kann. In dieser Branche geht es vom Fotograf über den Texter, den Layouter, den Drucker bis zum Verteiler der Zettel, die für die Bedürfnisbefriedigung der Gesellschaft sinnvoller eingesetzt werden könnten.

Die Ausbeutung der ArbeiterInnen und in Folge dessen die konkreten Arbeitsbedingungen, führen zu einer nicht optimalen Verfassung dieser Klasse. Wenn z.B. massenweise Überstunden gemacht werden müssen, man im Drei-Schicht-System arbeitet, Arbeitsschutzvorkehrungen (wie Vermeidung von Störgeräuschen, giftigen Abgasen, Vibrationen, Metallstäube, schlechter Rückenhaltung, einseitiger Belastung uvm.) nur eingeschränkt existieren und die sozialen Leistungen gekürzt werden, so führt dies zu einer nicht optimalen Reproduktion der Arbeitskraft. Dadurch sinkt die mögliche Arbeitsleistung.

Der Wettbewerb der Leistungserbringer im Kapitalismus (primär die verschiedenen Schichten des Proletariats, von den vorwiegend praktisch tätigen ArbeiterInnen bis zu Teilen der Intelligenz) wird im Kapitalismus zunehmend eingeschränkt. Die Proletarier verlieren das Interesse, möglichst produktiv zu arbeiten, da sie davon keinen Nutzen haben. Grund dafür ist das Ausbeutungsverhältnis, das auch die Verteilungsverhältnisse entscheidend beeinflusst. Eine Bezahlung nach Leistung gibt es im Kapitalismus nicht. Denn die Wertschaffung eines Vorstandsmitgliedes wird im Monat nicht beispielsweise 400x größer sein als die eines hochqualifizierten Facharbeiters oder 200x größer als die eines Ingenieurs bzw. Informatikers sein.

Der Hauptwiederspruch zwischen der gesellschaftlichen Produktion (durch die Hauptproduktivkraft Mensch) und der privatkapitalistische Aneignung, wie sie durch die Produktionsverhältnisse manifestiert ist, schreit förmlich zum Himmel. Neue, höhere Produktionsverhältnisse sind notwendig, um die Produktivkräfte optimal entwickeln zu können.


2.9 Übergang zum Sozialismus

Der Übergang zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation ist also nötig und, wenn wir dazu die Voraussetzungen schaffen, auch möglich.

Marx stellte fest, „dass die kapitalistische Produktionsweise eine Schranke findet, die nichts mit der Produktion des Reichtums als solches zu tun hat; und diese eigentümliche Schranke bezeugt die Beschränktheit und den nur historischen, vorübergehenden Charakter der kapitalistischen Produktionsweise; bezeugt, dass sie keine für die Produktion des Reichtums absolute Produktionsweise ist, vielmehr mit seiner Fortentwicklung auf gewisser Stufe in Konflikt tritt“.[27]

Und Stiehler schreibt: „Dem Widerspruchsverhältnis der modernen Produktivkräfte und der Produktionsverhältnisse des staatsmonopolistischen Kapitalismus wohnt objektiv der Impuls zur Überwindung des Kapitalismus, seiner Ablösung durch den Sozialismus inne“.[28]

Um den Sozialismus durchsetzen zu können, müssen wir also klar bestimmen können, was der Sozialismus ist und was ihn zu einer höheren Gesellschaftsformation macht. Der Kapitalismus musste produktiver als der Feudalismus, der Feudalismus in seiner Blütezeit produktiver als die Sklavenhaltergesellschaft, und die Sklavenhaltergesellschaft wiederum produktiver als die Urgesellschaft sein. Im Kapitalismus deuten sich schon die neuen (höheren) Produktionsverhältnisse an.

Im Sozialismus muss der Hauptwiderspruch zwischen Produktivkraft und Produktionsverhältnis also ständig auf höherer Stufe derart neu gelöst werden, das sich die Produktivkräfte ungehemmt weiter entwickeln können.


2.10        Grundaussagen zum Übergang von ökomischen Gesellschaftsformationen

Der Marxismus geht also davon aus, dass eine niedrigere Gesellschaftsformation nur durch eine höhere dauerhaft ersetzt werden kann. Die Triebkraft hierfür ist der zunehmend entstehende Widerspruch, der zwischen den Produktionsverhältnissen und den Produktivkräften besteht. Die Produktivkräfte sind das bestimmende Moment. Eine höhere ökonomische Gesellschaftsformation zeichnet sich durch höhere Produktionsverhältnisse aus, die eine höhere Produktivkräfteentwicklung garantieren! Die Entwicklungsphasen können nicht übersprungen, wohl aber verkürzt oder verlängert werden. Bei Marx ist zu lesen: „Daher stellt sich die Menschheit immer nur Aufgaben, die sie lösen kann, denn genauer betrachtet wird sich stets finden, dass die Aufgabe selbst nur entspringt, wo die materiellen Bedingungen ihrer Lösung schon vorhanden oder wenigstens im Prozess ihres Werdens begriffen sind“.[29]

Es gibt im Allgemeinen kein Zurück zu einer niedrigeren Formation[30] bzw. einem niedrigeren Ausgangspunkt, da die neue Grundlage in der Regel eine höhere ist. Das bedeutet, dass aus dem Kapitalismus kein Feudalismus, aus dem Feudalismus keine Sklavenhaltergesellschaft und aus der Sklavengesellschaft keine Urgesellschaft mehr werden kann. Dies ist nicht einfach eine Behauptung, sondern dies hängt u.a. mit der erzielten Produktivkraftentwicklung zusammen. Wenn es z.B. ein Mehrprodukt gibt, so kann es damit keine Urgesellschaft mehr geben[31]. Diese Abfolge, von einer ökonomischen Gesellschaftsformation in eine höhere, hat natürlich auch eine elementare Bedeutung bei der Frage, inwieweit der Sozialismus produktiver als der Kapitalismus sein muss.

Die marxistische Klassentheorie hat nachgewiesen, „dass die Existenz der Klassen bloß an bestimmte historische Entwicklungsphasen der Produktion gebunden ist“.[32] D.h. die Klassenherrschaft, wie sie im Kapitalismus besteht, ist nicht das Ende der Geschichte. Die Produktionsverhältnisse jeder Klassengesellschaft stellen Klassenverhältnisse dar: „Aber in diesen Verhältnissen ist zugleich der antagonistische Klassenwiderspruch lebendig, und so rebellieren mit den gewachsenen Produktivkräften neue soziale Verhältnisse in der Gestalt einer progressiven Klasse gegen das alte Gesellschaftssystem“.[33]

Der Marxismus geht davon aus, dass „trotz aller momentanen Rückläufigkeit schließlich eine fortschreitende Entwicklung sich durchsetzt – dieser große Grundgedanke ist, namentlich seit Hegel, so sehr in das gewöhnliche Bewusstsein übergegangen, dass er in dieser Allgemeinheit wohl kaum noch Widerspruch findet. Aber ihn in der Phrase anerkennen und ihn in der Wirklichkeit im einzelnen auf jede zur Untersuchung kommenden Gebiet durchführen, ist zweierlei“.[34] Dennoch heißt dies nicht, dass es zwangsläufig ohne bewusst geführten (Klassen-)Kampf zum Fortschritt kommt, da jeder Widerspruch eine destruktive und eine konstruktive Seite hat.[35] Welche Seite sich schließlich durchsetzt, wird im Kampf entschieden. Es gibt also keine Automatismen in der Entwicklung durch die vorhandenen Widersprüche. Vielmehr müssen sie sich in ein bewusstes „handeln der progressiven Klasse umsetzen […]. Der Übergang zur höheren Gesellschaftsordnung ist eine Frage des realen Klassenkampfes, dessen Formen und dessen Ausgang von einer großen Mannigfaltigkeit objektiver und subjektiver Bedingungen abhängt“.[36]

Walter Ulbricht hat Recht, wenn über die marx‘sche Theorie der Gesellschaft schreibt: „Diese Theorie besagt, dass jeder gesellschaftlichen Formation ein bestimmtes System ökonomischer Gesetze zugrunde liegt und diese Gesellschaft durch eine Komplexität der verschiedenen gesellschaftlichen Beziehungen gekennzeichnet ist, die einer bestimmten Entwicklungsetappe der menschlichen Gesellschaft entsprechen“.[37]

In den bestehenden Produktionsverhältnissen deuten sich mit der Zunahme des Widerspruches schon neue Produktionsverhältnisse an. So entstand schon im Zerfall des Feudalismus eine Kapitalistenklasse und in der Verfallsperiode der Sklavenhaltergesellschaft die „freien Bauern“.

Eine Gesellschaft geht nie unter, bevor alle Produktivkräfte entwickelt sind, für die sie weit genug ist, und neue höhere Produktionsverhältnisse treten nie an die Stelle bevor die materiellen Existenzbedingungen derselben im Schosse der alten Gesellschaft selbst ausgebrütet worden sind.[38] Diese Aussage von Marx ist für die Entwicklung der sozialistischen Alternative von großer Bedeutung. Im Umkehrschuss heißt dies, dass eine Gesellschaft untergehen kann, wenn alle Produktivkräfte in dem Ausmaß entwickelt wurden, wie dies durch die noch herrschenden Produktionsverhältnisse möglich ist, die Produktivkräfte also in ihrer Entwicklung durch die Produktionsverhältnisse gehemmt werden.

Kommt es zu einem verschärften Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen, so beginnt dies mit der Zuspitzung. Es folgt eine Phase der relativen Wirkungsgleichheit [39]. Die dritte Phase ist die Unverträglichkeit [40]. Dann wird „die Position des Neuen und des Alten in scharfen Kampf ausgetragen werden, wenn die Vertreter des Alten der Durchsetzung des Neuen heftigen Widerstand entgegensetzen.“[41]„Solchen Konflikten wohnt – im Ganzen gesehen – eine progressive Tendenz inne, insofern das Neue mit aller Energie und Konsequenz durchgefochten wird“.[42] Durch den Widerspruch, wie das Marx-Zitat von oben zeigt, kommt es zur Entwicklung. Konflikte setzen offensichtlich Triebkräfte frei, weshalb ein Konflikt eine treibende Kraft der Entwicklung ist.[43] „Triebkräfte nennen wir jene Faktoren, die auf die Entwicklung einen fördernden Einfluss ausüben. Nicht alle Triebkräfte sind zugleich Quelle der Entwicklung“.[44]

Die Ausbeutergesellschaften führen dazu, dass sich ein unlösbarer Widerspruch bezüglich der herrschenden Produktionsverhältnisse entwickelt. Neue Produktionsverhältnisse setzen sich mittels Klassenkämpfen durch. Eine neue, höhere ökonomische Gesellschaftsformation kann sich zunächst nur auf der Produktivkraft der sich im Zerfall befindenden alten[45] Produktionsweise aufbauen.

Eine ökonomische Gesellschaftsformation kann nur höher sein, wenn auch die Produktivkräfte gegenüber der Gesellschaftsformation, mit der sie verglichen wird, übertroffen werden. Damit kommen wir zu der entscheidenden Aussage:

„Die Grundlage für die Entwicklung der Gesellschaft ist die Entwicklung der Produktivkräfte“![46]

Kommt es hingegen zu einer Gesellschaftsformation, die keine höheren Produktivkräfte ermöglicht und nicht in die beschriebene Abfolge von Gesellschaftsformationen passt, so kann es sich nicht um eine höhere Gesellschaftsformation handeln.[47]

 

3.     Gründe für eine nötige, höhere Produktivität im Sozialismus

Es gibt eine ganze Reihe von Gründen, warum der Sozialismus eine höhere Produktivität als der Kapitalismus vorweisen muss. Im Folgenden werden wir uns einzelne Beispiele ansehen.


3.1   Schaffung einer absoluten individuellen materiellen Bedürfnisbefriedigung

Während im Kapitalismus der Masse an Menschen maximal eine relative[48] individuelle Bedürfnisbefriedigung [49] ermöglicht wird, muss im Sozialismus eine absolute [50] Bedürfnisbefriedigung garantiert werden.

Im Gegensatz zum Kapitalismus muss der Sozialismus beispielsweise in der Lage sein, den Menschen eine menschenwürdige Wohnung anzubieten, die sich die BewohnerInnen auch leisten können. Hierzu gehören eine gut funktionierende und effektive Heizung, gute Isolierung von Wänden und Fenstern, effektive Raumaufteilung, eine Raumlüftung, welche die Schimmelbildungswahrscheinlichkeit möglichst gering hält usw.

Auch gesundes Essen und Trinken gehört zu diesen Bedürfnissen. Natürlich muss auch witterungsgerechte Kleidung für die Menschen in ausreichender Anzahl produziert werden. Aber auch den individuellen Bedürfnissen wie Schuhgroße und Passform muss zunehmend entsprochen werden. Allerdings gibt es auch eine ganze Reihe von anderen individuellen materiellen Bedürfnissen, die es zu befriedigen gilt. So z.B. ein leistungsstarker Computer inklusive Internetzugang, die Möglichkeit Verkehrsmittel zu nützen, seine Wäsche in effektiven (-„sparsamen“) Waschmaschinen waschen zu können, die Ausrüstung für Sport oder andere Hobbys bzw. Freizeitaktivitäten zu haben usw.

Basierend auf dem heutigen Stand der Produktivkräfte, kann der Kapitalismus die genannten Bedürfnisse nur einem Teil der Gesellschaft garantieren. Andere Teile erleben lediglich eine relative Bedürfnisbefriedigung, die teilweise sogar noch unterschritten wird. Das bedeutet, dass die Produktionskraft im Sozialismus höher sein muss. Die Hauptproduktivkraft Mensch hat mehr zu leisten - dies aber im eigenen Interesse!

Damit die materiellen Bedürfnisse auch in Zeiten, wie Krankheit oder der Rente befriedigt werden können, sind entsprechende Sozialsysteme einzurichten, die nicht zur Armut führen. Denn im Kapitalismus ist es z.B. bei den vorwiegend praktisch tätigen ArbeiterInnen in der Regel so, dass spätestens bei längeren Krankenständen die verminderten Einnahmen zur Existenzbedrohung werden.

Natürlich gibt es auch scheinbare Bedürfnisse, die nicht zu den objektiven zählen. Als BewohnerIn einer Stadt braucht man z.B. keinen Geländewagen und 10 Paare Schuhe wird man auch nicht gleichzeitig tragen können.

Um die objektiven, individuellen Bedürfnisse der Menschen befriedigen zu können, erfordert dies eine Planwirtschaft, die möglichst genau die Bedürfnisse erfasst und eine entsprechende Produktion einleitet. Denn wird die Produktion erst dann eingeleitet, wenn das Bedürfnis entsteht, so bleibt es zumindest für die Zeit des Produktionsprozesses unbefriedigt. Das Produktionsziel der sozialistischen Wirtschaft ist also nicht die Erzielung eines maximalen Profits wie im Kapitalismus, sondern die der Bedürfnisbefriedigung. Diesen Punkt möchte ich mit den Worten von Franz Stephan Parteder [51] beenden: „Die steirische KPÖ tritt für ein sozialistisches […] Gesellschaftssystem ein, in dem nicht mehr der Maximalprofit sondern die Fähigkeiten und Bedürfnisse der Menschen das Maß aller Dinge sind“.[52]


3.2   Schaffung einer absoluten sozialen und kulturellen Bedürfnisbefriedigung

Die Gattung Mensch ist ein biopsychosoziales Wesen. D.h., dass der Mensch als soziales Wesen eben auch ein großes Bedürfnis nach Kontakt innerhalb sozialer Gruppen hat. Während es im Kapitalismus eine gewisse Anzahl von Menschen gibt, die isoliert leben bzw. separiert werden, hat der Sozialismus eine inklusive Gesellschaft [53] zu garantieren. D.h. eine sozialistische Gesellschaftsformation forciert bewusst die Entwicklung von verschiedensten sozialen Gruppen, in denen sich die Menschen aufhalten können. Auch dies führt zu einer nötigen hohen Produktivität, die z.B. Räume und Stätten für solche sozialen Gruppen garantieren muss. Das können z.B. Sportvereine mit Sportplätzen, Tanzschulen, Musikgruppen, die Übungsmöglichkeiten, aber auch Bühnen für Auftritte, Theater, Museen und vieles mehr sein.

Im Kapitalismus sind Theater beispielsweise nur für einen gewissen Prozentsatz an zahlungskräftigen Menschen regelmäßig offen. Fußballstadien werden z.T. aus den Profiten der Werbung finanziert, während es im Sozialismus eine solche Abhängigkeit der Kultur von Betrieben nicht mehr geben wird. Der Bedarf, wenn es um die absolute kulturelle Bedürfnisbefriedigung geht, ist somit weit größer als er im Kapitalismus abgedeckt wird. Auch Kulturgüter, wie z.B. historische Gebäude, sind zu erhalten, was auch eine gewisse Produktivkraftgröße bindet. Und hier gibt es genug Beispiele, bei denen der Kapitalismus Kulturstätten verfallen lässt, also zusieht, wie historische Denkmäler verschwinden.


3.3   Entwicklung und Nutzung aller Veranlagungen der Menschen

Der Mensch verfügt über enorme Veranlagungen und Potenziale. Franz Stephan Parteder hat im oben erwähnten Zitat auch die Fähigkeiten der Menschen betont, die im Sozialismus zu nützen sind. Im Kapitalismus werden sie nur bei einem Teil der Bevölkerung zu einem gewissen Grad entwickelt. Es fängt schon im Kindergarten bzw. spätestens in der Schule an, dass den Kindern bestimmte Fähigkeiten abgesprochen werden und dass durch Frust eine regelrechte Abwehrhaltung gegenüber bestimmten Unterrichtsfächern entsteht. Die Nutzung der Veranlagungen und Potenziale der Menschen hat weitgehende positive Effekte. Sie sorgt beim Individuum selbst für Zufriedenheit und bei der gesellschaftlichen Produktion führt sie zu einer möglichst hohen Produktivkraft. Das bedeutet also, um eine möglichst hohe Produktivkraft zu ermöglichen, müssen erst einmal auch in diesem Bereich erhebliche Mengen an Produktivkräften eingesetzt werden. In der Schule werden somit auch ganz neue Unterrichtsfächer bzw. Unterrichtsmethoden entwickelt, die z.B. das Systemdenken und die Logik fördern, einem in der politischen Ökonomie, in dem dialektischen und historischen Materialismus schulen. Um die Veranlagungen optimal zu entwickeln müssen Spezialisierungen viel früher ermöglicht werden. Wenn z.B. ein Mensch große Potenziale und Fähigkeiten in im Bereich der Naturwissenschaften hat, so kann er im Zuge der Spezialisierung (was nicht heißt, dass er in anderen Fächern nicht mehr unterrichtet wird) zu höheren Erkenntnissen gelangen und somit seinen Beitrag zur Entwicklung des Sozialismus gezielter leisten. Die Entwicklung aller Veranlagungen und Potenziale der Menschen verlangt Veränderungen in gesellschaftsumfassenden Dimensionen. Durch die Befriedigung der kulturellen Bedürfnisse kann z.B. eine Veranlagung in diesem Bereich optimal entwickelt werden. Das wiederum setzt voraus, dass der Mensch die entsprechend Zeit dafür haben muss. Zudem darf Entwicklungsförderung nicht auf die Schul-, Berufsausbildungs- bzw. Universitätszeit begrenzen werden, wie es im Kapitalismus üblich ist. Auch Menschen, die sich mitten im Berufsleben befinden, muss es möglich sein, bis ins hohe Alter entsprechende Entwicklungsmöglichkeiten, wie z.B. in Form von Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten wahrnehmen zu können. Die LeserInnenschaft kann sich bestimmt vorstellen, welch eine hohe Produktivkraft allein für dieses Beispiel erforderlich wäre.


3.4   Umsetzen des proletarischen Internationalismus

Der (sozialistische) proletarische Internationalismus umfasst deutlich mehr als Solidaritätsbekundungen, das Formulieren von Grußbotschaften oder gelegentlichen Treffen zum Austausch. Es geht vielmehr darum, die optimalen Bedingungen zu schaffen, um die Macht des Sozialismus zu festigen und somit im Systemwettkampf weltweit zu siegen. Dafür ist ein Staatenbündnis erforderlich.

Der sozialistische proletarische Internationalismus umfasst die aktive Unterstützung der antiimperialistischen und sozialistischen Bewegungen auf der ganzen Welt. Dies bindet erhebliche materielle Mittel, die durch die Produktivkraft des Sozialismus garantiert werden müssen. Die aktive Unterstützung kann z.B. Übersetzungen, den Druck von Büchern und Broschüren, das zur Verfügung stellen von technischen Mitteln, wie z.B. Computern sowie das Bereitstellen der notwendigen Technik für einen TV-Sender umfassen. Sie kann den Schutz von vor Verbot und Verfolgung bedrohter Aktivisten und Kader umfassen und bis hin zum Schutz vor imperialistischen Kriegen oder sonstiger Einmischung in das Selbstbestimmungsrecht führen. Auch die Unterstützung solcher Länder bei der Entwicklung der eigenen Produktivkraft ist erforderlich, denn durch sie schwindet die Abhängigkeit von den imperialistischen Zentren. Es versteht sich von selbst, dass in diesem Bereich viel mehr von Nöten ist, als es durch einzelne sozialistische Staaten materiell abgedeckt werden könnte. Deshalb ist hier der Ausbau dieser Unterstützung in dem Ausmaß wie es die Produktivkraft ermöglicht anzustreben. Und dieses Ausmaß muss bis zum Sieg des Sozialismus ständig erweitert werden können.


3.5   Vorherrschaft auf dem Weltmarkt

Beim Sozialismus würde es sich nicht um eine höhere ökonomische Gesellschaftsformation handeln, wenn der er nicht in der Lage wäre, die führende Rolle auf dem Weltmarkt zu übernehmen. Diese Hegemonie [54] auf dem Weltmarkt muss aber durch Überlegenheit erkämpft werden. Und dies geht nur im Systemwettstreit zwischen Kapitalismus und Sozialismus (dies ist also ein Wettbewerbstyp). Während der Kapitalismus z.B. die neokoloniale Ausbeutung nützt, um seine Machtposition zu erhalten, wird der Sozialismus nicht die ökonomische Abhängigkeit von anderen Ländern ausnützen. Vielmehr wird er sogar einen äquivalenten Warenaustausch [55] anbieten, um diese Länder in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Um also die Hegemonie auf dem Weltmarkt zu erreichen, muss der Sozialismus produktiver sein. Er muss sehr viele Mittel für Bildung, Soziales etc. ausgeben, um hier eine deutlich höhere Qualität zu erreichen. D.h. auch, dass durch eine viel höhere Dichte an LehrerInnen, DozentInnen- und ProfessorInnen mehr Menschen nicht in der direkten materiellen Produktion tätig sein können. Die materielle Produktion muss demnach effizienter sein. Auch die technischen Ausstattungen müssen auf den höchstmöglichsten Stand gebracht werden und die Mittel für Forschung bzw. Entwicklung haben so hoch zu sein, dass dadurch, im Vergleich zum Kapitalismus, eine höhere Effektivität, Quantität und Qualität in der Produktion möglich ist. Dies erfordert das Werben um die klügsten Köpfe mit fairen Mitteln und nicht in der Form, wie es der Kapitalismus im Zuge von Brain Drain[56] (u.a. bei Neokolonien), seit Langem praktiziert. Den WissenschaftlerInnen müssen also Anreize geschaffen werden, im Sozialismus zu bleiben bzw. den Sozialismus durch ihre Tätigkeit zu unterstützen. Diese Anreize, sind z.B. die oben genannte absolute materiellen, soziale und kulturelle Bedürfnisbefriedigung, aber eben auch optimale Arbeitsbedingungen. In dem Sinne, dass z.B. nicht Monat für Monat hunderte von Überstunden gemacht werden müssen, sondern beste Fortbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten sowie eine hohe Anerkennung der Leistung durch die Gesellschaft geschaffen werden. Die Geschichte des sog. „Realsozialismus“ zeigt, dass es dem Kapitalismus gelang große Mengen an WissenschaftlerInnen über Jahre hinweg abzuwerben, während es z.B. der Sowjetunion nur gelang einzelne Wissenschaftlern aus den USA und anderen Staaten für sich zu gewinnen. So etwas kann auf Dauer nicht gut gehen.

Die Vorherrschaft erfordert das Bündnis von sozialistischen Staaten gegen die Versuche des Kapitalismus, den Sozialismus zu isolieren oder durch Abhängigkeit von bestimmten Rohstoffen oder Gütern erpressbar zu halten. Somit muss eine sozialistische ökonomische Gesellschaftsformation aktiv forcieren, dass ein möglichst starker Staatenbund von sozialistischen und antiimperialistischen Ländern entsteht.


3.6   Der Widerspruch zwischen Mensch und Umwelt muss immer wieder neu gelöst werden

Wohl niemand wird behaupten, dass es der Kapitalismus schafft, den Widerspruch zwischen Mensch und Umwelt dauerhaft immer wieder neu zu lösen, wie es sich der Sozialismus zur Aufgabe macht. Probleme, wie die Vergiftung der Meere oder das Schmelzen des Polareises, gilt es ebenso zu lösen, wie z.B. das Müllproblem. Hier sieht man schon wie umfassend eine solche Veränderung ist. Denn um das Problem mit der Abfallentsorgung lösen zu können, werden im ganzen Produktionsprozess, der Verpackungsindustrie und beim Recycling von Rohstoffen nahezu revolutionäre Innovationen verlangt. Schließlich geht es darum, das Überleben der Gattung Mensch zu ermöglichen. Und dies bedeutet, dass eine möglichst effektive, aber auch dauerhafte Nutzung der Natur und die Einhaltung der Ökologieerfordernisse erforderlich sind. Das Überfischen der Meere kann beispielsweise zur deutlichen Verringerung einer wichtigen Nahrungsquelle für die Menschheit führen. Die sozialistische Wirtschaft muss auch großen Wert auf die Vermeidung vom Ausstoß von Giften legen, ob über Schornsteine, der Abgabe in die Erde oder das Wasser. Probleme, wie die „Endlagerung“ von radioaktivem Material, müssen gelöst werden.

Aber auch die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen muss, durch die Entwicklung von Alternativen, beseitigt werden. Es müssen neue Formen von Energiegewinnung in eine Massenproduktion gebracht werden. Eines der großen Probleme, ist das des Verkehrswesens. Wenn es zur Vermeidung des Individualverkehres erforderlich ist, sehr effiziente, komfortable und schnelle Verkehrsmittel zu schaffen, so sind hier immense Produktivkräfte erforderlich. Das ganze Verkehrsnetz muss entsprechend umgebaut werden.

Umweltkatastrophen müssen soweit möglich verhindert werden und, wenn sie nicht ganz vermeidbar sind, müssen durch im Vorfeld ergriffene Schutzmaßnahmen verhindert werden.

Um diese Punkte kann sich der Kapitalismus aufgrund des Zieles der Profitmaximierung nur begrenzt kümmern. Er wird auch im Systemwettkampf deutlich geringere Produktivkräfte hierfür einsetzen können, als es der Sozialismus tun kann.

Gerade auch im Bereich der Forschung muss eine sozialistische ökonomische Gesellschaftsformation viele Produktivkräfte binden. Das umfasst sowohl die Hauptproduktivkraft Mensch (also viele Forscher und Entwickler) als auch die materiellen Mittel zur Forschung. Das Ziel muss sein, die Prozesse der Natur immer besser zu verstehen und die Welt so zu gestalten, sodass die Gattung Mensch überleben kann und ihre Bedürfnisse befriedigt. Dazu ist auch das Unterstützen eines lebenslangen Lernens der Menschen erforderlich.


3.7   Höherentwicklung der politischen Verhältnisse im Allgemeinen und Höherentwicklung der Demokratie im Besonderen

Politik ist der konzentrierte Ausdruck der Ökonomik“,[57] ist bei Lenin zu lesen. Doch was heißt dies nun für das Vorhaben des Sozialismus, die Höherentwicklung der politischen Verhältnisse im Allgemeinen und die der Demokratie im Besonderen zu ermöglichen? Die Höherentwicklung dieser politischen Verhältnisse ist nur dann möglich, wenn die ökonomischen Grundlagen dafür geschaffen worden sind. Oder anders ausgedrückt, die politischen Verhältnisse im Allgemeinen und die der Demokratie im Besondern können nie höher sein als die ökonomischen Verhältnisse. Die Ökonomie ist somit die Basis für den politischen Überbau einer jeden Gesellschaft. Hier sieht man auch, wie eng die unter Punkt 3 aufgelisteten Beispiele eigentlich miteinander verknüpft sind und dass sie insgesamt eine gewisse Qualität erreichen müssen. Denn ohne eine Hegemonie auf dem Weltmarkt, ist auch der Handlungsspielraum im Bereich der Höherentwicklung der politischen Verhältnisse ein eingeschränkter.

Eine Höherentwicklung wäre z.B. eine wirklich absolute Redefreiheit, wie sie der Kapitalismus nicht garantieren kann [58]. Fühlt er sich in seiner Existenz bedroht, greift er zu repressiven Methoden gegen die progressive Bewegung. In der sozialistischen Demokratie wird der Kampf gegen reaktionäre Positionen vor allem auch durch das argumentative Schlagen dieses Gegners und somit der Überzeugung geführt. Es gibt somit das Demonstrations- und Streikrecht, ebenso wie die absolute Wahlfreiheit und das Versammlungsrecht. Letzteres obliegt aber einem Zwang der Öffentlichkeit. Das heißt, dass jede Versammlung den Zutritt von anderen Menschen garantieren muss. Somit besteht die Chance, dass die besseren Argumente sich gesellschaftlich durchsetzen können. Parteien und Organisationen haben das Recht, Meinungsumfragen und Volksabstimmungen in die Wege zu leiten.

Die Formen der demokratischen Mitbestimmung reichen bis in den Betrieb, z.B. in der Form, dass eine Kompetenzebene den eigenen Leiter wählen kann. Somit kommt es auch zum Wettbewerb unter den KandidatInnen. Das Volk hat die Verfügungsgewalt über das Produktionsziel.


3.8 Organisierung des revolutionären Weltprozesses

Der allen aufgelisteten, einzelnen Gründen übergeordnete Grund, für die Notwendigkeit einer höheren Produktivkraft des Sozialismus, ist die Organisierung des (sozialistischen) revolutionären Weltprozesseses und dessen materiellen Absicherung. Diese materielle Absicherung ist allumfassend, betrifft also nicht nur Bereiche, wie den der Möglichkeit, sich gegen Angriffe verteidigen zu können. Es geht also nicht einfach um die materielle Absicherung eines isolierten Landes, was wiederum beweist, dass eine höhere Produktivität garantiert werden muss, als sie im Kapitalismus vorhanden ist.

 

4.     Gesetz der Übereinstimmung der Produktionsverhältnisse mit dem Charakter und Entwicklungsniveau der Produktivkräfte

Die Abfolge von ökonomischen Gesellschaftsformationen wird u.a. von dem Gesetz der Übereinstimmung der Produktionsverhältnisse mit dem Charakter und Entwicklungsniveau der Produktivkräfte beeinflusst.

Dieses Gesetz ist ein „soziales Entwicklungsgesetz der menschlichen Gesellschaft, das in allen Gesellschaftsformationen wirkt und die Ablösung einer Gesellschaftsordnung durch die nächsthöhere auf der Grundlage der Übereinstimmung zwischen dem Charakter der Produktivkräfte und den Produktionsverhältnissen bedingt und auch innerhalb einer Produktionsweise gewisse Änderungen der Produktionsverhältnisse entsprechend der Weiterentwicklung der Produktivkräfte verlangt. Die Grundlage für die Entwicklung der Gesellschaft ist die Entwicklung der Produktivkräfte. Die Produktionsverhältnisse fördern die Entwicklung der Produktivkräfte, solange sie deren historischem Entwicklungsniveau entsprechen, sie hemmen die Entwicklung der Produktivkräfte, sobald diese die materiellen Bedingungen einer höheren Produktionsform hervorbringen. Eine ungehinderte Entwicklung der Produktivkräfte erfordert, dass die Produktionsverhältnisse mit dem Charakter der Produktivkräfte übereinstimmen. Infolge ihres dynamischen Charakters geraten die Produktivkräfte auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung mit dem gegebenen Produktionsverhältnissen in Konflikt, letztere werden aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte zu deren Fessel. Die Lösung dieses Widerspruchs erfordert die Liquidierung der bestehenden und die Schaffung neuer Produktionsverhältnisse, die dem erreichten Entwicklungsstand der Produktivkräfte entsprechen. Der Konflikt zwischen den Produktivkräften und den Produktionsverhältnissen wird in den antagonistischen[59] Klassengesellschaften zum Konflikt feindlich gegenüberstehender Klassen, da die herrschende Klasse die überlebten Produktionsverhältnisse verteidigt und die fortschrittliche Klasse um deren Beseitigung kämpft. Dieser Konflikt wird durch soziale Revolutionen gelöst. Die bisherige Entwicklungsgeschichte der menschlichen Gesellschaft ist zugleich Ausdruck des Wirkens des Gesetzes. So war die Ablösung der Produktionsverhältnisse der Urgesellschaft durch die Sklavenhaltergesellschaft eine notwendige Voraussetzung für eine weitere Entwicklung der Produktivkräfte. Die ständige weitere Vervollkommnung der Produktivkräfte geriet wiederum in Widerspruch zur Sklavenhaltergesellschaft. Durch die Entstehung der feudalen Produktionsverhältnisse wurde dieser Widerspruch gelöst, bis auch sie die Entwicklung der Produktivkräfte wieder hemmten. Die Ablösung der feudalen durch kapitalistische Produktionsverhältnisse stellte für eine bestimmte Zeit die Übereinstimmung zwischen dem Charakter der Produktivkräfte und der Produktionsverhältnisse her und gab Raum für eine schnelle Entwicklung und der Vergesellschaftung der Arbeit. Im Laufe der Entwicklung geriet aber der gesellschaftliche Charakter der Produktivkräfte in zunehmendem Maße in Widerspruch mit den kapitalistischen Produktionsverhältnissen (Erscheinungen dieses Widerspruchs: Krisen, nichtausgelastete Kapazitäten, Arbeitslosigkeit Vernichtung von Produktivkräften, Rüstungsproduktion, ungleichmäßige Entwicklung). Obgleich sich im Rahmen der kapitalistischen Produktionsweise auch verschiedene Seiten der Produktionsverhältnisse verändern und weiterentwickeln (Monopole, staatsmonopolistischer Kapitalismus) verlangen die moderneren Produktivkräfte immer stärker die Beseitigung kapitalistischer Produktionsverhältnisse überhaupt. Das Gesetz setzt sich jedoch nicht im Selbstlauf durch“.[60]

Stiehler präzisiert: „Der historische Materialismus, […] die dialektische-materialistische Theorie der Gesellschaft, erblickt im Widerspruch von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen die Grundlage der gesellschaftlichen Entwicklung“.[61]

Wenn also der Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen die Grundlage für die Entwicklung der Gesellschaft ist, so hat das für die Frage, ob der Sozialismus, als höhere Gesellschaftsformation, produktiver sein muss als der Kapitalismus, eine hohe Bedeutung.


5.     Zusammenfassung

Wie wir gesehen haben, spielt die Produktivität beim Übergang von einer Gesellschaftsformation in eine Höhere eine wichtige Rolle. Dazu sollten wir uns noch einmal folgendes Zitat von Marx anschauen: „Eine Gesellschaft geht nie unter, bevor alle Produktivkräfte entwickelt sind, für die sie weit genug ist, und neue höhere Produktionsverhältnisse treten nie an die Stelle bevor die materiellen Existenzbedingungen derselben im Schosse der alten Gesellschaft selbst ausgebrütet worden sind“.[62]

Damit wird die diesbezügliche Erkenntnis von Marx, in Hinblick auf den Übergang der Gesellschaftsformationen, ganz klar auf den Punkt gebracht. Eine höhere Gesellschaftsformation zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass eine höhere Produktionskraft erreicht wird, wie wir oben verdeutlicht haben. Der Sozialismus kann im Systemwettkampf nur gegen den Kapitalismus siegen, wenn er produktiver ist. Er greift z.B. nicht auf die neokoloniale Ausbeutung zurück und muss schon allein deswegen deutlich produktiver sein als der Kapitalismus, der darauf rücksichtslos zurückgreift.

Wie wir gesehen haben, gibt es eine ganze Reihe von Beispielen, die zeigen, dass der Sozialismus eine deutlich höhere Produktivität vorweisen muss.

Wie heißt es im Landesprogramm der KPÖ-Steiermark: „Der Zusammenbruch der Sowjetunion und der anderer […] Länder erfolgte u.a. auch deshalb, weil es ihnen nicht gelang, den Rückstand in der Produktivität und im Lebensstandard gegenüber den entwickelten kapitalistischen Ländern aufzuholen“.[63]

Der Sozialismus kann somit nur eine historische Alternative zum Kapitalismus sein, wenn es sich um eine höhere, ökonomische Gesellschaftsformation handelt. Denn ansonsten kann er das Widerspruchsverhältnis zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen nicht auf höherer Stufe immer wieder neu lösen. Das geht nur durch höhere Produktionsverhältnisse. Somit muss der Sozialismus eine „historisch neue Qualität“ erreichen.[64]

Der Sozialismus muss produktiver sein als der Kapitalismus, um im Systemwettkampf zu gewinnen und die verschiedenen Wiedersprüche immer wieder neu lösen zu können sowie die Bedürfnisse der Menschheit zu befriedigen.


6.     Weiterführende Frage

Aus meiner Antwort auf die Frage, ob der Sozialismus produktiver als der Kapitalismus sein muss, resultiert eine neue Frage:

Wodurch kann der Sozialismus produktiver sein als der Kapitalismus?

Schließlich muss das sozialistische System eine „dauerhafte Stabilität des Gesamtsystems“ [65] garantieren. Es lohnt sich, die Diskussion mit dieser Frage fortzusetzen, da wir ohne die Beantwortung dieser Frage die historische Alternative zum Kapitalismus, die der Sozialismus ist, nicht nachweisen können. Anders als bei vergangenen Gesellschaftsformationen, handelt es sich beim Sozialismus um die erste bewusst geschaffene Gesellschaftsformation. D.h. wir müssen im Vorfeld sagen können, was die höhere Produktivität des Sozialismus garantiert und welche ökonomischen Gesetze im Sozialismus wirken müssen.

Können wir die höhere Produktivkraft des Sozialismus nachweisen, so gelingt uns damit ein wichtiger Schritt die Menschen von diesem zu überzeugen.

 

© Mark Staskiewicz



[1] Wörterbuch der Philosophie; Bd. 1; VEB Berlin – Leipzig 1975; S.475

[2] Gottfried Stiehler, System und Widerspruch, Akademie Verlag Berlin 1971; S. 43

[3] LW, Bd. 1; Was sind die „Volksfreunde“; 1894; S. 131

[4] MEW Bd. 6; Lohnarbeit und Kapital - „Neue Rheinische Zeitung“; S. 408, Hervorhebungen wie im Original

[5] MEW Bd. 24; Das Kapital, Die Metamorphose des Kapitals und ihr Kreislauf; S. 42

[6] MEW Bd. 13; Zur Kritik der politischen Ökonomie; S 8.-9

[7] MEW Bd. 13; Vorwort zur Kritik der Politischen Ökonomie; 1859; S. 9

[8]Aus Gründen der Vereinfachung werden wir uns hier nicht mit der ökonomischen Gesellschaftsformation der altorientalischen Klassengesellschaft beschäftigen.

[9] Vgl. Politisches Wörterbuch Dietz 1988; S. 699

[10] Politische Ökonomie Kapitalismus Sozialismus – Lehrbuch für das marxistisch-leninistische Grundlagenstudium, Dietz Verlag Berlin 1984; S. 13

[11] Produktionsmittel sind die Gesamtheit der Arbeitsgegenstände (Gegenstand auf den die Arbeit so einwirkt, dass ein menschliches Bedürfnis befriedigt werden kann, also z.B. Rohstoffe, der Boden, elektronische Bauteile, Halbfabrikate etc.) und Arbeitsmittel (mit denen so auf ein Arbeitsgegenstand eingewirkt wird, so dass menschliche Bedürfnisse erfüllt werden, also z.B. Werkzeuge, Maschinen, Automaten etc.).

[12] MEW Bd. 23, Das Kapital Bd. 1; S. 194f

5 „Von allen Waren sind eigentliche Luxuswaren die unbedeutendsten für die technologische Vergleichung verschiedener Produktionsepochen.

5a Note zur 2. Ausg. So wenig die bisherige Geschichtsschreibung die Entwicklung der materiellen Produktion, also die Grundlage alles gesellschaftlichen Lebens und daher aller wirklichen Geschichte kennt, hat man wenigstens die vorhistorische Zeit auf Grundlage naturwissenschaftlicher, nicht sog. historischer Forschungen nach dem Material der Werkzeuge und Waffen in Steinalter, Bronzealter und Eisenalter abgeteilt.

*Standort“ [ebenda]

[13] MEW Bd. 16; Lohn Preis Profit; S. 126f, Hervorhebung wie im Original

[14] „Verteilung der sachlichen und subjektiven Produktionsbedingungen auf die Zweige und Bereiche der gesellschaftlichen Produktion sowie Verteilung der Ergebnisse der Arbeit auf die verschiedenen Klassen und Schichten einer Gesellschaft; immanenter Bestandteil des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses“ [Ökonomisches Lexikon, Bd. A-K, Verlag die Wirtschaft – Berlin 1966; S. 487].

[15] MEW Bd. 13; Einleitung zur Kritik der Politischen Ökonomie; S. 631, Hervorhebung wie im Original

[16] MEW Bd. 13; Einleitung zur Kritik der Politischen Ökonomie; S. 623, Hervorhebung wie im Original

[17] MEW Bd. 6; Lohnarbeit und Kapital - „Neue Rheinische Zeitung“; S. 407

[18] MEW Bd. 5; Arbeitslohn; S. 555

[19] Die Dialektik kann kurz als die Lehre von der Einheit der Gegensätze bestimmt werden“ [LW, Bd. 38; Konspekt zur „Wissenschaft der Logik". Die Lehre vom Begriff;S. 214]

Die Dialektik ist eine „wissenschaftliche Theorie und Methode der Erkenntnis und praktischen Umgestaltung der Wirklichkeit“ und sie ist „als eine wesentliche Seite des gesetzmäßigen Zusammenhangs der objektiven Realität selbst zu begreifen; sie hat einen objektiven Charakter“. „Die Dialektik als Theorie ist eine Wissenschaft von der Bewegung und Entwicklung der Natur, der Gesellschaft und des Denkens; sie untersucht die allgemeinen Formen und Gesetze der Bewegung und Entwicklung […].“ Die „Dialektik weist nach, dass das Bestehende veränderbar ist.“ „Die Dialektik der Geschichte ist, allgemein besagt, ihrer Grundlage nach eine Dialektik der Arbeit der materiellen Produktionstätigkeit“ [Gottfried Stiehler, System und Widerspruch, Akademie Verlag Berlin 1971, S.7f; S.11; S. 16].

Und Lenin schreibt: Als dialektische Methode bezeichneten Marx und Engels - im Gegensatz zur metaphysischen […], dass die Gesellschaft als ein lebendige, in ständiger Entwicklung begriffener Organismus betrachtet wird (und nicht als etwas mechanisch Verkettetes, das infolgedessen eine beliebige willkürliche Kombination der einzelnen gesellschaftlichen Elemente zuließe), dessen Untersuchung die objektive Analyse der Produktionsverhältnisse erfordert, die die gegebene Gesellschaftsformation bilden, die Erforschung der Gesetze, nach denen sie funktioniert und sich entwickelt.“ [Lenin Werke Bd. 1; Was sind die „Volksfreunde“; S. 158]

[20] Auf das Gesetz der Übereinstimmung der Produktionsverhältnisse mit dem Charakter und Entwicklungsniveau der Produktivkräfte werden wir unter Punkt 4 noch zu sprechen kommen.

[21] „Triebkraft nennen wir jene Faktoren, die auf die Entwicklung einen fördernden Einfluss haben. Nicht alle Triebkräfte sind zugleich Quelle der Entwicklung; die Quelle der Entwicklung beruht in den objektiven Widersprüchen des gesellschaftlichen Systems […]. Die Widersprüche sind zugleich die treibende Kraft der Entwicklung.“      [Gottfried Stiehler, System und Widerspruch, Akademieverlag Berlin 1971; S. 108].

[22] MEW Bd. 13; Vorwort zur Kritik der Politischen Ökonomie; S. 9

[23] Bis es zu einem erneuten Aufkeimen des Widerspruches zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen kommt.

[24] Kolonen sind Kleinpächter und abhängige Bauern

[25] Städteforschung – Stadt und Handwerk in Mittelalter und früher Neuzeit, Böhlau 2000; S. 29

[26] Hier kommt es aber auch zur Vernichtung von Betrieben, Maschinen, der Infrastruktur etc., die für eine Produktivkraftentwicklung allesamt wichtig sind.

[27] MEW Bd.25 (Bd. 3 des Kapitals); III.Abschnitt: Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate, 15.Kapitel: Entfaltung der inneren Widerspruche des Gesetztes; S. 252, Unterstreichung von mir

[28] Gottfried Stiehler, System und Widerspruch, Akademie Verlag Berlin 1971; S.25, Hervorhebung wie im Original

[29] MEW Bd. 13; Vorwort zur Kritik der Politischen Ökonomie - 1859; S. 9

[30] Im Besonderen sind jedoch Ereignisse wie z.B. eine große Umweltkatastrohe oder ein Krieg, der immense Produktivkräfte vernichtet, möglich.

[31] Denn das Mehrprodukt sorgt schon für den Zerfall einer Urgesellschaft. Ein Zurück in eine „Zerfallszeit“ ist unlogisch, denn nach dem Zerfall kann nur eine höhere Gesellschaftsformation entstehen aus der man dann ja aber käme.

[32] MEW Bd. 28; Brief von Engels an Joseph Weydemeyer; 27.02.1852; S.508

[33] Gottfried Stiehler; System und Widerspruch, Akademieverlag Berlin 1971; S. 45

[34] MEW Bd. 21; Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie – Kapitel IV; 1886; S. 293

[35] Vgl. Gottfried Stiehler, System und Widerspruch, Akademieverlag Berlin 1971; S. 80

[36] Gottfried Stiehler; System und Widerspruch, Akademieverlag Berlin 1971; S. 27

[37] Walter Ulbricht; Die Bedeutung des Werkes „Das Kapital“ von Karl Marx für die Schaffung des entwickelten Systems des Sozialismus in der DDR und den Kampf gegen das staatsmonopolistische Herrschaftssystem in Westdeutschland, Berlin 1967; S. 9 (in Gottfried Stiehler; System und Widerspruch ), Hervorhebung durch mich

[38] MEW Bd. 13; Vorwort zur Kritik der Politischen Ökonomie; 1859; S. 9, Hervorhebung von mir

[39] Die Phase, in der sich weder die destruktive (reaktionäre) noch die konstruktive (revolutionäre) Seite durchsetzen kann.

[40] In dieser Phase ist der Widerspruch so entwickelt, dass der alte Zustand so nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Vgl. Gottfried Stiehler; System und Widerspruch, Akademieverlag Berlin 1971; S. 21

[41] ebenda; S. 115

[42] ebenda; S. 115

[43] Vgl. ebenda S. 108

[44] ebenda S. 115

[45] „Das Alte als solches hat zu einem bestimmten Zeitpunkt seine entwicklungsfördernde Rolle verloren, und die Menschen, die zeitweilig das Alte vertreten, können von der Überlegenheit des Neuen überzeugt werden“. Die Konflikte zwischen dem Alten und Neuen „ergeben sich nicht nur zwischen den Menschen […], sondern auch im Denken und Verhalten einzelner Individuen. […] Ein Mensch gerät in Konflikte, wenn er zwischen verschiedenen möglichen Verhaltensweisen zu wählen hat“ [Gottfried Stiehler; System und Widerspruch, Akademieverlag Berlin 1971; S. 111 + S. 115f].

[46] Ökonomisches Lexikon; Bd. 1; Verlag die Wirtschaft 1967; S. 781

[47] Z.B. die Herrschaftszeit der Roten Khmer in Kambodscha.

[48] „Relativ“ ist als eingeschränkt und unvollkommen zu verstehen.

[49] „Das Bedürfnis ist ein allgemeines, wesentliches, notwendiges, relativ beständiges Verhältnis des Menschen zu seiner natürlichen und sozialen Umwelt. Es ist auf die Aneignung dieser Umwelt durch aktive Auseinandersetzung mit ihr gerichtet und findet in der dadurch erzielten Bestätigung des Menschen als Subjekt dieses Prozesses seine mehr oder minder vollständige Befriedigung“ [Georg Klaus, Philosophisches Wörterbuch Bd. 1; VEB Verlag Leipzig 1975; S. 205]

[50] Unter „absolut“ ist hier uneingeschränkt und vollkommen zu verstehen [vgl. ebenda S. 36]

[51] Mitglied der KPÖ-Steiermark, ehemaliger langjähriger KPÖ-Landesvorsitzende und Sekretär im Grazer Gemeinderatsklub

[52] Wirtschafts- und Finanzkrisen im Kapitalismus, Quellen und Studien SM 13, Alfred Klahr Gesellschaft 2010, S. 173

[53] Eine inklusive Gesellschaft geht davon aus, dass jedem Gesellschaftsmitglied eine unmittelbare und völlige Zugehörigkeit zur Gesellschaft zusteht und ermöglicht werden muss. Sie wendet sich gegen die Aussonderung von Teilen der Gesellschaft. Vgl. Theunissen und Schalb: Inklusion, Partizipation und Empowerment in der Behindertenarbeit, Kohlhammer 2009; S. 16 und 235

[54] Hegemonie ist als Führerrolle bzw. Vorherrschaft zu verstehen.

[55] Also ein Austausch gleicher Werte.

[56] Abwandern von der wirtschaftlichen Elite aus den Neokolonien in die imperialistischen Zentren.

[57]Lenin Werke, Politik und Ökonomie – Dialektik und Eklektizismus; Bd. 32; S. 73

[58] Und hier sei nicht nur an sehr weitgehende Verbote gedacht, wie in der Zeit, als die ersten Arbeitsvereine entstanden sind bzw. z.B. das Verbot der KPÖ im Faschismus. Es gibt etliche Einschränkungen, die schon beim Medienmonopol der Kapitalistenklasse beginnen.

[59] Unter einem antagonistischen Widerspruch ist ein „unversöhnlicher Klassenwiderspruch“ zu verstehen. Die sich gegenüberstehenden Klassen (wie Proletariat und Bourgeoisie im Kapitalismus) verfolgen „entgegengesetzte Ziele“. [Walter Hollitscher; Grundbegriffe der marxistischen politischen Ökonomie und Philosophie, Globus Verlag Wien 1975; S. 74]

[60] Ökonomisches Lexikon; Bd. 1; Verlag die Wirtschaft 1967; S. 781, Hervorhebung von mir

[61] Gottfried Stiehler; System und Widerspruch, Akademie Verlag Berlin 1971; S. 24

[62] MEW Bd. 13; Vorwort zur Kritik der Politischen Ökonomie - 1859; S. 9

[63] Landesprogramms der KPÖ Steiermark; Seite 27

[64] Gottfried Stiehler; System und Widerspruch, Akademieverlag Berlin 1971; S. 27

[65] Gottfried Stiehler; System und Widerspruch, Akademieverlag Berlin 1971; S. 29

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